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Gefangenenrate in Europa (PDF / 160 KB)

Europa verhaftet

Die Idee zu unserem Projekt „Europa verhaftet“ entstand 2005 durch die Ausschreibung des Fonds Soziokultur  zum Thema „Heimat Europa“. Darin hieß es:
„Europa ist vielen Menschen noch keine Heimat geworden. Und es ist fraglich, ob es eine ‚Heimat Europa’ geben kann. Die Europäische Gemeinschaft wächst nach außen, aber wächst sie auch zusammen? Verstärkte räumliche Mobilität und Migration führen dazu, dass sich Millionen von Menschen neu ‚beheimaten’ müssen. Sie müssen sich in neuen Lebensverhält-nissen und fremden Kulturen einrichten. Das ist ein langwieriger und schwieriger Prozess.“
Die zu fördernden Projekte sollen „den komplexen Begriff ‚Heimat’ im Kontext des europäischen Einigungsprozesses erlebbar machen“. (vgl. www.fonds-soziokultur.de)

Kurzdarstellung des Projekts

„Europa verhaftet“ möchte sich einem Ort widmen, in dem Jugendliche „zwangsbeheimatet“ sind: der Justizvollzugsanstalt (JVA). Anhand von Biographien der Jugendlichen aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen  Ländern, die in der JVA einsitzen, soll deutlich gemacht werden, dass Diskriminierung und mangelnde Integration zu ihrer Kriminalisierung führten. Daraus ergeben sich andere Konsequenzen als der Ruf nach mehr Härte, Freiheitsentzug und Abschiebung.

Theoretisch orientieren wir uns damit an dem Soziologen Fritz Sack, der Kriminalität als „negatives Gut“ versteht, das nach bestimmten Regeln bestimmten Individuen und Gruppen zugeteilt wird.

Im Vergleich zu den USA und osteuropäischen Staaten wollen wir einerseits die Vorbildlichkeit des Umgangs mit Straffälligkeit von Jugendlichen deutlich machen. Es werden in der Bundesrepublik ungefähr zehnmal weniger Jugendliche eingesperrt und es gibt ein breites Angebot von alternativen Reaktionen zur Inhaftierung (Diversionsangebote wie Täter-Opfer-Ausgleich, Sozialstunden u.a.).

Im innereuropäischen Vergleich können wir zeigen, dass es Länder gibt, wie z.B. Luxemburg, die keinen Jugendstrafvollzug kennen oder deutlich weniger einsperren wie die Bundesrepublik Deutschland, so z.B. skandinavische Länder. Damit und durch die Haftbedingungen und Biographien der inhaftierten Jugendlichen können wir aufzeigen, was in der Bundesrepublik noch zu tun bleibt.

Muss der Jugendstrafvollzug die „ultima ratio“ als Reaktion auf strafbare Handlungen Jugendlicher bleiben oder kann ein Europa ohne Jugendgefängnisse möglich werden?

Modellcharakter des Projekts

Die öffentliche Auseinandersetzung um Migration in und nach Europa ist polarisiert: auf der Seite der Befürworter der multikulturellen Gesellschaft  wird oft einseitig die kulturelle und ökonomische „Bereicherung“ hervorgehoben und die Gegner überzeichnen Gefahren und Kriminalität.
Wir zeigen, dass ein produktiver Umgang mit einem angstbesetzten Thema auf kommunaler Ebene möglich ist, in dem wir die Perspektive der straffälligen Jugendlichen einbeziehen. Da wir seit 1993 mit weit über hundert Jugendlichen in der JVA Köln diskutierten und viele näher kennen lernten,  haben wir die Möglichkeit, ihnen außerhalb der Mauern eine Stimme zu geben.

Ziele

Was wir mit unserem Projekt anstreben schreibt der Soziologe Loic Wacquant am Ende seiner Studie „Elend hinter Gittern“: „Die Vereinigten Staaten haben sich eindeutig für eine Kriminalisierung des Elends als Gegenstück zur allgemeinen sozialen Unsicherheit und der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt entschieden. Europa steht heute vor einer historischen Entscheidung: Wegschluss der Armen und polizeiliche und strafrechtliche Kontrolle der auf dem Arbeitsmarkt und dem entsprechenden Abbau sozialer Schutzmaßnahmen destabilisierten Bevölkerungsschichten einerseits, unverzügliche Schaffung neuer Bürgerrechte – etwa ein von Arbeitsauflagen unabhängiges Mindesteinkommen, ein lebenslanger Anspruch auf Bildung und Ausbildung, ein allgemeines Recht auf Wohnraum und medizinische Versorgung – und gleichzeitige, offensive Wiederherstellung der sozialen Leistungsfähigkeit des Staates andererseits. Die Entscheidung wird zeigen welche Art von Zivilisation den Bürgern angeboten werden soll.“  (Loic Wacquant: Elend hinter Gittern, Konstanz 2000, S. 149)

Geplante Aktivitäten

Ausstellung „Europa verhaftet“

Homepage www.jugendliche-in-haft.de

Broschüre (Katalog) zur Ausstellung

Diskussions- und Vortragsveranstaltungen

Öffentlichkeitsarbeit zu den genannten vier Aktivitäten (Plakat, Flyer)

Kooperation

Der Kölner Appell gegen Rassismus e.V. arbeitet in Köln mit im

Kölner Runder Tisch für Integration

Kölner Flüchtlingsrat

AK Strafffälligenhilfe

AK Interkulturelle Zentren

Köln stellt sich quer und im NRW-weiten

AK Migration des DPWV-NRW

In all diesen Gremien wird das Projekt vorgestellt. Durch die Ausstellung, die in Schulen, Bürgerzentren und Bezirksrathäusern gezeigt werden soll, werden sich weitere Kooperationen ergeben.

Förderung

Fonds Soziolkultur, Sparkasse KölnBonn, Wir helfen e.V.

Projektleitung

Klaus Jünschke, Kölner Appell gegen Rassismus e.V., Körner Str.77-79, 50823 Köln
Tel. 0221-9521199, Fax 0221-9521197, koelner.appell@t-online.de, www.koelnerappell.de